{"id":907,"date":"2017-05-03T21:35:00","date_gmt":"2017-05-03T19:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.freitagabeins.com\/?p=907"},"modified":"2017-06-29T16:07:45","modified_gmt":"2017-06-29T14:07:45","slug":"schwarzwaldidyll","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.freitagabeins.com\/index.php\/2017\/05\/03\/schwarzwaldidyll\/","title":{"rendered":"Schwarzwaldidyll"},"content":{"rendered":"<p>Stilecht zu unserem ersten Landvergn\u00fcgen-Erlebnis gibt es ein echtes Bauernfr\u00fchst\u00fcck mit frischen Eiern von H\u00fchnern mit Namen und Milch fast direkt aus dem Euter. Dazu verw\u00f6hnt uns die Sonne mit ihrem strahlenden Gem\u00fct. Ich f\u00fchle mich ein bisschen wie Heidi, als sie das erste mal zum Alm\u00f6di auf die H\u00fctte kommt.<\/p>\n<p>Nach unserem Kraftmahl fahren wir nach Calw, das ist der n\u00e4chste gr\u00f6\u00dfere Ort, nur knapp 20 Kilometer von Zwerenberg entfernt. Weiter trauen wir uns heute nicht und das auch nur nach der f\u00fcnffach wiederholten Wegbeschreibungen von Frau Stockinger. Wir sind noch leicht traumatisiert.&nbsp;<\/p>\n<p>Wir starten in der Touriinfo und lassen uns die wichtigsten Sehensw\u00fcrdigkeiten nennen. Viele gibt es nicht, aber das St\u00e4dtchen mit seiner intakten Fassade aus Fachwerkh\u00e4usern ist \u00e4u\u00dferst pittoresk. Wir besorgen Brezeln und Teilchen beim B\u00e4cker und laufen r\u00fcber nach Hirsau, dem inzwischen eingemeideten Nachbardorf. Der Weg ist l\u00e4nger als gedacht und nicht besonders sch\u00f6n. Aber nach dem Sitz- und Fluchtag gestern, tut die Bewegung gut. In Hirsau gibt es eine beeindruckende Klosterruine. Das Benediktinerkloster St. Peter und Paul war bei seiner Erbauung im 11. Jahrhundert das gr\u00f6\u00dfte in Deutschland und hatte in der kirchlichen Welt gro\u00dfe Bedeutung. Das lesen wir nat\u00fcrlich erst nach unserem Besuch dort. Stattdessen machen wir es den Klosterkatzen gleich. Wir schleichen zwischen den \u00fcbrig gebliebenen Gem\u00e4uern entlang und versuchen uns vorzustellen, wie es hier fr\u00fcher mal ausgesehen hat. Ganz sch\u00f6n erhaben und ein wenig furchteinfl\u00f6ssend muss es gewirkt haben. Inzwischen hat die Natur ihr Territorium zur\u00fcck erobert. Und das alte Kloster wirkt harmlos und strahlt eine morbide Sch\u00f6nheit aus.&nbsp;<\/p>\n<p>Wir laufen zur\u00fcck nach Calw, um den wichtigsten Punkt auf unserer Schwaben-To-Do-Liste abzuhaken: Maultaschen essen. Dazu besuchen wir, wie sollte es anders sein, das Mault\u00e4schle. Das kleine Bistro macht allerdings auf modern und bietet nur abgewandelte Varianten des Klassikers an. Sind die Schwaben ihres Nationalgerichts etwa \u00fcberdr\u00fcssig? Ich will schon etwas entt\u00e4uscht die Forellenmaultaschen bestellen, als ich mitkriege, dass es eine geheime Karte f\u00fcr Einheimische geben muss, von der man auch nur in Geheimsprache bestellen kann. Ich trickse die schw\u00e4bische Bedienung nach Harry-und-Sally Manier aus und sage einfach, dass ich das nehme, was der Mann vor mir hatte. Es funktioniert. Ich bekomme klassische Maultaschen mit geschmelzten Zwiebeln und Bratenso\u00dfe. Sebastian macht auf halb modern und nimmt die Omlettmaultaschen. Es ist k\u00f6stlich! Und ich finde wir haben unser Urlaubsgenussziel f\u00fcr heute schon erreicht.<\/p>\n<p>Nach dem Essen schlendern wir durch das Zentrum. Das Hermann Hesse Museum soll ganz in der N\u00e4he der Kirche sein. Da m\u00f6chte ich hin. Der bekannte Literat ist ein Calwer und seine Stadt ist sichtlich stolz auf ihn. \u00dcberall taucht er auf. Nur sein Museum scheint irgendwie nicht da zu sein. Jetzt laufen wir schon das zweite Mal um die Kirche herum. Der Prinz schaut angestrengt in den Touriplan. Ich werde n\u00f6rgelig und melde vermehrt Zweifel an. Ich will jetzt auch mal auf den Plan gucken. Pl\u00f6tzlich Stille. Der Prinz h\u00e4lt an und l\u00e4uft abrupt in die entgegengesetzte Richtung. Ich flitze hinterher. Nach zwei Minuten taucht das Museum in unserem Blickfeld auf. Eigentlich nicht zu \u00fcbersehen. Ich bin neugierig und bohre unbarmherzig nach. Es stellt sich heraus: Das R\u00e4tsel des verschwundenen Museums war der falsch herum gehaltene Touriplan. Ich pruste los. Ich lache so laut und anhaltend, dass sich das kleine Calw kurz erschreckt, bevor es in seine gewohnt friedliche Fachwerkgem\u00fctlichkeit versinkt. Wir gehen nicht ins Museum. Der Weg war das Ziel und au\u00dferdem ist das Wetter zu sch\u00f6n. Wir gucken kurz nach einem intellektuellen Souvenir aus dem Museumsshop. Wir finden aber nichts und gehen stattdessen zum Hermann-Hesse-Denkmal, um ein wenig intellektuelles Beweisfoto zu schie\u00dfen.&nbsp;<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Punkt auf unserem Tagesplan ist der Baumwipfelpfad Schwarzwald. Wir kommen kurz vor 5 Uhr an. Eine Stunde vor Schlie\u00dfung. Da haben wir mal wieder Gl\u00fcck gehabt. Au\u00dfer uns ist niemand da. Nur eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe Firmenausfl\u00fcgler l\u00e4uft im Tip-Top-Schritt weit hinter uns. Wir k\u00f6nnen also ausgiebig nach den Tieren und B\u00e4umen, die auf &nbsp;den Lehrschildern stehen Ausschau halten. Zuckers\u00fc\u00df sind die Eichh\u00f6rnchen, deren Snack Bars tourifreundlich ganz dicht am Gel\u00e4nder h\u00e4ngen. Wir k\u00f6nnen den putzigen Puscheln also direkt in die Knopfaugen gucken. Bestimmt eine dreiviertel Stunde brauchen wir f\u00fcr die 1,25 km. Die Tip-Top-Gruppe ist uns inzwischen auf den Fersen. Am Ende des Pfades wartet das Highlight auf uns. Ein 40 Meter hoher, luftiger Holzkelch mit einer Rutsche in der Mitte. Die ist heute allerdings wegen des vorangegangen Regens gesperrt. Sehr schade. Wir nehmen uns vor mit Jette wiederzukommen. Der Ausblick \u00fcber den Schwarzwald ist wundersch\u00f6n und lohnt sich auf jeden Fall noch ein weiteres Mal.<\/p>\n<p>Wir fahren zur\u00fcck zu Stockingers, wo wir noch eine Nacht bleiben d\u00fcrfen. Zum Abendbrot gibt es wie beim Alm\u00f6di, selbstgemachtes Holzofenbrot und gro\u00dfartige Brat- und gebr\u00fchte Rotwurst, wahrscheinlich von den Verwandten, der kleinen K\u00e4lbchen auf Stockingers Hof. Die Sonne scheint und wir sitzen vor unserem Zelt und spielen Ubongo bis die Sonne untergeht.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stilecht zu unserem ersten Landvergn\u00fcgen-Erlebnis gibt es ein echtes Bauernfr\u00fchst\u00fcck mit frischen Eiern von H\u00fchnern mit Namen und Milch fast direkt aus dem Euter. 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