{"id":974,"date":"2018-07-09T21:11:34","date_gmt":"2018-07-09T19:11:34","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.freitagabeins.com\/?p=974"},"modified":"2018-07-09T21:11:36","modified_gmt":"2018-07-09T19:11:36","slug":"raubtiere","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.freitagabeins.com\/index.php\/2018\/07\/09\/raubtiere\/","title":{"rendered":"Raubtiere"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align:center;\">Schweden 2018 \u00b7 Teil 9<\/h3>\n<p>Auf dem Weg zu unserem n\u00e4chsten Campingplatz, machen wir Halt im Raubtierpark (Rovdjurpark) in Orsa. Hier leben einheimische und im weiteren Sinne nordische Raubtiere auf einem gro\u00dfen, h\u00fcgeligen Gel\u00e4nde. An mehreren Stellen sind Holzplattformen, von denen man die Tiere aus der Vogelperspektive betrachten beziehungsweise erst einmal suchen kann.<\/p>\n<p>Zuerst begegnen wir zwei Eisb\u00e4ren. Die kuscheligen wei\u00dfen B\u00e4ren sind ganz nah am Zaun. Wir sind begeistert und ehrf\u00fcrchtig. Wunderbare Tiere. Als n\u00e4chstes begegnen wir einem spiellustigen Kodiakb\u00e4ren, der einem kleinen Jungen immer am Zaun entlang folgt. Nur diesem Jungen, sonst niemandem. Egal, ob der Junge schnell l\u00e4uft, langsam l\u00e4uft oder stehen bleibt &#8211; der B\u00e4r macht das gleiche. Ein irres Schauspiel. Danach sehen wir den Wildkatzen beim faul Herumliegen zu. Persischer Leopard, Schneeleoparden und Tiger fl\u00e4zen anmutig im Schatten. Es ist wieder richtig warm und h\u00e4tten wir nicht einen vollen Touriterminkalender, dann w\u00fcrden wir auch reglos im Schatten liegen. Auch die ersten Braunb\u00e4ren, die wir von einer Holzplattform aus entdecken, strecken alle vier Tatzen von sich. Als wir gerade bei den Luchsen vorbei laufen, h\u00f6ren wir einen ohrenbet\u00e4ubenden L\u00e4rm. Es sind Laute zwischen hysterischem Grunzen und aggresivem Br\u00fcllen. Der Ursprung &#8211; zwei Braunb\u00e4ren. Sie sind in aneinandergrenzenden Gehegen und machen beide auf dicken Max. Furchteinfl\u00f6\u00dfend. Da m\u00fcssen wir nat\u00fcrlich hin. Wir kommen zu sp\u00e4t. Der Zoff ist vorbei. Daf\u00fcr sehen wir etwas anderes. Drei Braunb\u00e4rjungen h\u00e4ngen in einem Baum. Bestimmt f\u00fcnfzehn Meter hoch ist einer von ihnen geklettert. Man h\u00f6rt es die ganze Zeit rascheln und knistern und ab und zu sieht man einen dicken Braunb\u00e4rpo oder eine s\u00fc\u00dfe Schnauze aus dem Gr\u00fcn hervorluken. Mama Braunb\u00e4r steht unbeteiligt unten am Baum. Irgendwann geht sie einfach. Vielleicht gibt sie noch ein Braunb\u00e4rkommando, das wir nicht verstehen. Auf jeden Fall, klettern die drei Jungen blitzschnell den Baum herunter und flitzen Mama hinterher. Atemberaubend, wie beh\u00e4nde die dicken Fellkn\u00e4uel sind. Ein Baum als Fluchtziel bei einer B\u00e4renbegegnung f\u00e4llt jedenfalls aus. Luchs und Wolf sehen wir nicht mehr bei unserem Parkbesuch. Wir fahren weiter.<\/p>\n<p>Es geht auf der E45 in den Norden. Die Landschaft ver\u00e4ndert sich. Wir fahren durch den Wald. Durch den Wald. Durch den Wald. Durch den Wald. Ab und zu taucht ein See neben der Stra\u00dfe auf. Tiefes Blau umrandet von ununterbrochenem Gr\u00fcn mit kleinen, versprengten Krombacherinseln. Die Seen sind der Stra\u00dfe so nah, dass man meint, man k\u00f6nnte die Finger eintauchen, wenn man die Hand aus dem Fenster streckt. Und sonst nichts, keine Orte, keine Menschen, keine Zeichen von Zivilisation. Der Prinz atmet auf, darauf hat er die ganze Zeit gewartet. Mich bef\u00e4llt dagegen leichte Panik &#8211; was sollen wir hier denn machen &#8211; im Nichts? Es gibt doch einen Grund, warum hier keiner ist. Bekommen wir hier \u00fcberhaupt etwas anst\u00e4ndiges zu Essen? Irgendwann kommt doch ein Ort. In Sveg entern wir erstmal den ICA und bunkern f\u00fcr den Ernstfall. Direkt gegen\u00fcber steht der gr\u00f6\u00dfte Holzbraunb\u00e4r der Welt. Ein bisschen skurril, wie er da herumsteht an einer schn\u00f6den Stra\u00dfenkreuzung. Aber wir freuen uns \u00fcber ein Symbol unseres Erlebnisses heute.<\/p>\n<p>Wir fahren weiter zum Campingplatz nach Hedeviken. Der Wald wird dichter und es wird immer sp\u00e4ter. Wir brauchen etwas zu essen und Jette ein Bett. Endlich, wir biegen auf die Einfahrt zum Campingplatz ab. Ein gro\u00dfes rotes Schild begr\u00fc\u00dft uns &#8211; Fullt! Was so viel hei\u00dft wie &#8211; voll. Das ist uns bisher noch nie passiert. Und noch dazu in dieser Ein\u00f6de. Wir steigen aus, wir wollen wenigstens fragen, ob nicht doch noch irgendwo ein kleines Pl\u00e4tzchen f\u00fcr eine Nacht ist. In dem Moment schie\u00dft ein deutsches Auto an uns vorbei. Eine blonde Frau springt heraus und rennt auf die Rezeption zu. Der Kampf ist anscheinend er\u00f6ffnet. Raubtiere gibt es eben nicht nur im Raubtierpark. Ich schnappe Jette und versuche sie zu einem bezaubernden L\u00e4cheln zu \u00fcberreden. Der Campingplatzbesitzer verzieht keine Miene. Stattdessen f\u00fchrt er uns alle zu einer Wiese mit einem kleinen T\u00fcmpel &#8211; hier ist Platz f\u00fcr mindestens 6 Camper. Wir sind erleichtert. Nur die blonde Frau guckt noch leicht verkniffen. Wahrscheinlich ist das ihr Gesichtsausdruck, wenn sie keine Beute machen konnte. Wir stellen den Bulli etwas oberhalb des T\u00fcmpels ab &#8211; von hier aus sieht man das Fj\u00e4ll, genauer den Berg Sonfj\u00e4ll. Der Prinz ist selig. Und ich auch. Wundersch\u00f6n ist es in dieser Ein\u00f6de. Ein Raubtier steht noch aus an diesem Tag &#8211; die im wahrsten Sinne gemeine M\u00fccken. Die gedeiht hier pr\u00e4chtig und treibt uns um halb 10 in den Bulli. Wenn die fiesen Viecher wenigstens so s\u00fc\u00df aussehen w\u00fcrden wie die tapsigen B\u00e4ren &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schweden 2018 \u00b7 Teil 9 Auf dem Weg zu unserem n\u00e4chsten Campingplatz, machen wir Halt im Raubtierpark (Rovdjurpark) in Orsa. Hier leben einheimische und im weiteren Sinne nordische Raubtiere auf einem gro\u00dfen, h\u00fcgeligen Gel\u00e4nde. An mehreren Stellen sind Holzplattformen, von denen man die Tiere aus der Vogelperspektive betrachten beziehungsweise erst einmal suchen kann. 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