Viel Commitment

Das englische Regenwetter zwingt uns einen Museumstag auf. Und wir wehren uns nicht, schließlich gibt es in London Kunst und Kultur vom Feinsten und die meisten Museen sind noch dazu kostenlos. Nur die Queen, die alljährlich die Pforten zu ihrem Palast öffnet will 30 Euro für einen Blick in ihr Wohnzimmer. Vielleicht muss sie das alte Tafelsilber ersetzen. Dabei wollen wir sie jedenfalls nicht unterstützen, das soll sie mal schön selber hinkriegen.

Der erste Weg führt uns zur ältesten Teemarke der Welt, ins Twinings Museum. Dass es hier natürlich auch alle Twinings Varianten zu kaufen gibt war uns klar, dass die Verkaufsfläche etwa 85 Prozent des etwa 100 Quadratmeter großen Raums einnimmt, hat uns dann doch überrascht. Egal, wir bleiben dennoch über eine Stunde – schnuppern an unendlich vielen Gläschen, lesen die wenigen Infotafeln und setzen uns dann zur Verkostung von Earl Grey, Oolong und Jade Green Tea an den schicken Tresen und Katja fachsimpelt ein wenig mit der Twinings-Verkäuferin. Na gut, ein echter Museumsbesuch ist das nicht, also weiter.

Als nächstes peilen wir das National Museum an, genauer gesagt, die Sonderausstellung Soundscapes, bei der zu jedem Kunstwerk passende Musik von bekannten Musikern eingespielt wird. Nach langem Suchen finden wir den Eingang zur Sonderausstellung, um dann festzustellen, dass es dabei nur 6! Bilder zu sehen gibt. Ok, die Musikstücke dauern dafür pro Bild zwischen 8 und 90 Minuten, aber nee! So große Kunstgenießer sind wir dann auch nicht.

Auf zum letzten Versuch, dem Haus des exzentrischen Architekten Sir John Soane. Wir laufen Richtung Holborn durch den Niselregen, machen einen gemütlichen Halt für eine dicke fette Tasse Hot Chocolate Milano im Café Nero und stehen dann vor verschlossenen Türen. Sonntag ist Ruhetag. Ja, ja, das hätte man auch vorher mal prüfen können – haben wir aber nicht.

Ok, wir geben auf, wir haben es probiert – mit der Kunst, jetzt müssen wir uns um unsere Grundbedürfnisse kümmern. Mein Magen knurrt nämlich so laut, dass ich schon Angst habe, dass die Schlagzeilen im Daily Mirror am nächsten Tag lauten wird „Lion roars in London! Biggest ever police search under way.“ Wir gehen zu einem coolen libanesischen Restaurant, dessen Hühnchen in Granatapfelsirup zumindest auch ein bisschen Kunst ist.

Während wir die exotischen Aromen genießen, beschließen wir zu versuchen Karten für ein Musical zu bekommen. Es ist übrigens mittlerweile um 6 und um 7 fangen die meisten Shows an. Da am Sonntag Abend nicht viel Auswahl besteht, ist schnell klar, wo wir es versuchen. Im Palace Theater laufen die Commitments – ein Stück mit und über Soulmusik. Wir haben Glück. Zwei Minuten vor Vorstellungsbeginn haben wir zwei Karten in der Hand und flitzen zu unseren Plätzen. Wir verstehen fast nix. Das Stück spielt in Irland und wir erraten die Handlung. Da sie äußerst flach ist, ist das nicht wahnsinnig schwer. Der Hauptsänger ist großartig, eine Wahnsinnsstimme! Die alten Soulklassiker sind auch toll. Aber kurioserweise fehlt dem Stück, das wofür es eigentlich steht – der Soul. Die Dialoge sind hektisch, die Songs werden nie ausgespielt und echte Emotionen gibt es nicht. Daher ist dann auch das beste der Schluss, denn das ist einfach ein anständiges Konzert mit den schönsten Songs, ohne überflüssige Story und dafür mit viel Spielfreude.

Nach dem obligatorischen Absacker im Pub geht es zurück zum Hotel. Bis morgen, London!

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