Wir verlassen Cambridge und das Warkworth B&B, das uns jeden Morgen mit dem Geruch nach Toast und Speck geweckt hat. Unser Mietwagen wartet in Stansted auf uns. Wie sich herausstellt wächst und gedeiht auch der Flughafen, nämlich so sehr, dass die Mietwagenstationen keinen Platz mehr darin haben und im sogenanntem Car Rental Village, etwa 20 Minuten mit dem Bus entfernt, untergebracht sind. Es dauert eine Weile bis wir den richtigen Schalter finden. Es dauert eine Weile bis der Europcar Mitarbeiter den richtigen Datensatz findet. Und es dauert eine Weile bis wir das Auto auf dem Parkplatz finden. Am Ende sitzen wir aber fröhlich in unserem schwarzen Nissan Juke und freuen uns über den Anlasserknopf, die Rückfahrkamera, die automatischen Spiegelklapper – na ja, nachdem wir herausgefunden haben, wie das alles so funktioniert.
Wir fahren nach Colchester, den nächstgrößeren Ort, denn wir haben Hunger. Im Colchester Zentrum machen wir uns also sofort auf die Suche nach etwas Essbarem. Wir finden das 21, das uns mit einem ordentlichen Kalorienoverload belohnt. Frisch gestärkt erkunden wir den Ort. Viel gibt es nicht zu sehen und die Wege sind kurz. Wir laufen durch das obligatorische englische Konsumcenter, das niederländische Viertel, das irgendwie englisch aussieht, durch den sehr schönen Schlosspark mit erhaltener römischer Stadtmauer und niedlichem botanischem Schlossdrachen. Dann sehen wir uns noch das Hollytree Museum an, das auch im Schlosspark liegt und lernen, dass das bekannte Kinderlied „twinkle, twinkle little star“ hier bei einem Wettbewerb für Kinder erfunden wurde.
Wir steigen wieder in den Juke und quälen uns durch den Berufsverkehr. Kurz vor sieben steigen wir wieder aus und nehmen eine Brise Meerluft und lauschen dem Rauschen. Zu genau hinsehen darf man nicht, das Meer ist braun. Nicht blau mit etwas braun. Nein, braun. Na ja, zum Baden ist es sowieso zu kalt. Unser B&B ist ganz schön schick, das Zimmer allerdings klein und die Frage nach einer zweiten Decke anscheinend eine Beleidigung. Egal! Wir sehen und hören das Meer von unserem Zimmer aus. Nur eine Straße und der Strand liegt zwischen uns und der wogenden Nordsee!
Wir lassen die Taschen stehen und laufen am Strand entlang Richtung Zentrum, beziehungsweise direkt zum nächsten Pub, dem Lord Nelson. Danach, wie soll es anders sein, machen wir einen Abendspaziergang am Strand, bewundern den pinkfarbenen Himmel, schütteln den Kopf über die verrückten Engländer, die bei diesen Temperaturen baden und wakeboarden, schlendern an den süßen Luxus-Beach-Huts vorbei und an die Spitze des Piers. Dort oben entdecke ich Quallen. Ich habe mal gehört, dass es denen nur in sauberem Wasser gefällt, vielleicht doch baden … Wir gehen zurück in unser Zimmer, trinken einen Tee und lassen uns vom Meeresrauschen in den Schlaf wiegen.


