Siljan See

Schweden 2018 · Teil 8

Es ist Zeit für einen längeren Stopp. Der große, verwinkelte und schöne Siljan See in der Provinz Dalarna ist unser nächstes Ziel.

Bevor wir zum Campingplatz fahren, machen wir Halt in Mora. Der Ort liegt an einem kleinen Ausläufer des Sees. Mora ist vor allem bekannt als Zielpunkt des Wasalaufs, eines 90 Kilometer langen Skilanglaufwettbewerbs und für den Künstler Anders Zorn, der aus Mora stammte.

Dieser hat neben seiner künstlerischen Tätigkeit, alte schwedische Holzhäuser gesammelt. In Zorns Gammelgården kann man sich diese circa 40 Häuser, die zu einem Dorfplatz, einer Farm und einem Fischerort gruppiert sind, ansehen. Damit starten wir unsere Mora-Stippvisite. Mithilfe von Alltagsgeräuschen, die aus Lautsprechern in und an den Häusern tönen, entsteht tatsächlich der Eindruck, man würde durch alte Zeiten wandeln. Eine große Textilsammlung mit traditioneller schwedischer Kleidung vervollständigt die Zeitreise. Der Prinz und ich lassen es uns natürlich nicht nehmen, selber in Hemd und Häubchen zu schlüpfen.

Nach der Kopfnahrung folgt die Bauchnahrung. Wir bleiben Anders Zorn treu und gehen durch das Ortszentrum direkt zum Zorn Café, das neben seinem Museum steht. Eine sehr gute Wahl. Wir essen üppige schwedische Quiche (Pajer) und endlich Pannkakor, schwedische Eierkuchen mit Sahne und Marmelade. Lecker. Nur schweren Herzens verzichten wir auf Kostproben der vielen anderen gebackenen Köstlichkeiten. Stattdessen laufen wir zurück zum Auto, vorbei an einer beeindruckenden Stabkirche und dem Wasamonument.

Wir fahren weiter nach Rättvik. Direkt am See liegt der Campingplatz, an dem wir die nächsten zwei Nächte verbringen werden. Auf dem Weg dahin begegnen wir ständig Oldtimern, vor allem amerikanischen Modellen – Ford, Chevrolet, Cadillac. Ein Auto schöner als das nächste. Und Rättvik scheint tatsächlich ihr gemeinsames Ziel zu sein. Auf unserem Campingplatz, gehe ich erst mal auf Fotosafari. Eine ganze Reihe der Oldtimerbesitzer sind in den Hütten am Campingplatz abgestiegen. Überall blubbern die Motoren. Die Besitzer sind unerwartet jung, zwischen 20 und 30 Jahren. Zum Teil mit Petticoat und Schmalztolle. Leider haben sie ein Faible für große Boxen und ganz schlechte Musik, die sie anscheinend gern mit aller Welt teilen wollen. Sie sitzen mit bis zu 8 Leuten in den Cabrios und poltern mit 200 Dezibel und dicken Bässen über den Platz. Meine Euphorie ist ganz schnell verflogen. Rücksichtslos, finde ich. Stillos, sagt der Prinz. Als wir gegen halb zehn am Abend, die zahnende kleine Prinzessin, endlich im Bett haben, ist es immer noch wahnsinnig laut. Ich stiefel über den Platz, um ein wenig Mitgefühl zu erbitten. Ich laufe bestimmt 500 Meter und sehe die lärmenden Möchtegern-Rockabillies auf der anderen Straßenseite an einer Tankstelle. Schade, da habe ich wohl keinen Einfluss. Unglaublich wie laut die sind! Die ganze Nacht hören wir unfreiwillig den basslastigen Billigpop. Am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei. Jetzt erst können wir würdigen, wie schön es hier am See ist.

Nach dem Frühstück, besuchen wir die Knäckebrotfabrik in Leksand. Wir probieren uns durch bestimmt 30 Sorten Knäcke, während die Einheimischen ihre Sieben-Kilo-Pakete an uns vorbei schleppen. Wir entscheiden uns für drei bescheidene Packungen – eine Variante mit Sauerteig, eine mit Blaubeeren und eine mit roten Linsen.

Danach fahren wir zum Vidablick. Hier gibt es einen fantastischen Blick über den Siljan See und auch Mittagessen. Ich nehme das SOS – eine Platte mit Butterbrot (Smörgås), Käse (Ost) und eingelegtem Herring (Sill). Noch ein schwedischer Klassiker, den ich von meiner kulinarischen Aufgabenliste streichen kann.

Wir fahren zurück zum Campingplatz. Zu Fuss gehen wir zur über 600 Meter langen Seebrücke. Die ist nicht nur wegen ihrer Länge etwas ganz besonderes, sondern auch weil sie wirklich schön ist. Eigentlich ist sie nur ein langer Steg – es gibt keine Büdchen und keine Kinkerlitzchen – nur eine einfache Holzkonstruktion und bei etwa 500 Metern einen Minipark mit Bäumen und Bänken. Romantisch. Nach dem Ausflug auf die Seebrücke laufen wir ins Zentrum von Rättvik und kaufen ein Eis – denn dafür ist der Ort bekannt. Das Mango-Joghurt-Eis ist tatsächlich wahnsinnig gut. Nach einer ruhigen Nacht am Siljan See, sind wir versöhnt mit der Rättvik und mit Oldtimern.

2 thoughts on “Siljan See

  • Mit dem CP in Rättvik habt ihr ja Pech gehabt. Wir sind da immer nur möglichst zügig dran vorbei gefahren…
    War uns immer zu voll und zu innerstädtisch.
    Ihr werdet es sicher künftig wieder besser treffen.
    Weiter gute Reise und geruhsame Nächte!

    • Ja, das war Pech. Heute haben wir es dafür besonders ruhig. Wir sind in der Nähe von Lycksele und nur einer von insgesamt 4 Campinggästen. Wir stehen lauschig am See. Sehr schön! Danke und liebe Grüße.

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