Der Tag beginnt früh. Sehr früh. Um 5:20 Uhr, um genau zu sein. Das Gute daran, dass es in diesem Urlaub mit dem Ausschlafen nicht klappt, ist dieser ordentlich geführte Blog und der heutige Morgen. Ich wache fast pünktlich zum Sonnenaufgang auf. Das Northcliffe B&B ist direkt am Strand und ein kurzer Blick aus dem Fenster sagt mir, ich muss unbedingt raus. Die Sonne hat sich gerade über den Pier gekämpft und gibt alles. Der Strand leuchtet golden. Jetzt muss es schnell gehen, Jacke an, Turnschuhe an, Schlüssel und Handy gegriffen. Die Haare sind ein Knäuel und die Schlafanzughose eindeutig viel zu kurz. Egal, ist ja niemand da. Es ist wunderschön. Das Meer rauscht und funkelt. Das Pier und ich tragen einen Wettbewerb um den längsten Schatten aus. Ich laufe immer wieder auf und ab, das Handy ist schon ganz geschafft von der Fotoknipserei. Beim ersten Selfie merke ich, dass ich die Brille vergessen habe. Macht nix. Dieser Anblick würde mich auch mit 10 Dioptrin von den Socken hauen. Eine halbe Stunde lang staune ich, genieße ich und bin so glücklich wie es nur geht. Dann hüpfe ich zurück in meinem zu kurzen Pyjama und ohne Brille, leg mich ins Bett und schaue mir die Fotos an. Das ist mal ein ordentlicher Start in den Tag.
Es ist unser letzter vollständiger Tag in England und das Wetter gibt sich alle Mühe, uns zum Bleiben zu überreden. Wir laufen das letzte Mal den Strand in Southwold entlang und decken uns im örtlichen Delikatessenshop Nutters mit ein paar Mitbringseln ein. Dann steigen wir in den gelangweilt wirkenden Juke und fahren Richtung Broads – eine Landschaft aus Flüssen und Sumpfgebieten bei Norfolk. Wir halten in Oulton Broad, ein Tipp unseres B&B Hosts. Na ja. Die kleinen Marinas sind süß, aber außer einem kurzen Spaziergang am Fluss entlang und einem etwas längeren Abstecher in die Fancy Cakes Patisserie finden wir hier keine sinnvolle Beschäftigung.
Wir fahren weiter Richtung Snape Maltings – auch ein Tipp unseres B&B Hosts, aber ein sehr viel besserer. Snape Maltings ist eine alte Mälzerei mit dem größten Malting House Englands. Inzwischen ist das riesige Gelände der Kunst gewidmet. Eine der bekanntesten Music Halls des Landes befindet sich direkt im alten Malting House. Sie wurde in den 60ern von dem berühmten englischen Komponisten Benjamin Britten für das jährliche Aldeburgh Festival ausgesucht und umgebaut. Der Saal ist einzigartig. Ein riesiger Raum nur umhüllt von Backsteinen und ein paar Holzstreben. Rings um das Malting House haben sich diverse Künstler angesiedelt. Es gibt Ausstellungen, Kurse und natürlich Shops, Cafés und Restaurants. Innerhalb der alten industriellen Substanz ist alles modern und stilvoll. Ein schöner Ort umgeben von einer schönen Landschaft. Die wir bei einem Spaziergang, stilecht mit einem Tea on the go erkunden. Das Wetter ist zu schön für zu viel Kultur.
Am späten Nachmittag fahren wir nach Aldeburgh, unserer letzten B&B Station. Übrigens spricht mal Aldeburgh wie „Oldbra“. Logisch, oder. Die Betonung liegt dabei auf der ersten Silbe, damit es nicht wie alter BH klingt. Aldeburgh ist eine bunte kleine Stadt direkt am Meer mit viel Fischerei aber wenig Badegästen, da der Strand nur aus Steinen besteht. Leider muss ich mir das kleine Örtchen allein ansehen, da Katja ein Sonnenstich ans Bett fesselt. Die Sonne hat es heute vielleicht doch ein bisschen zu gut gemeint. Kurz nach neun, komme ich nach über einer halben Stunde Wartezeit endlich zu meinem Abendessen. Fish and Chips natürlich, vom beliebtesten Imbiss des Ortes. Ich trage meine fettige Tüte zu einer Bank am Strand und beende den Tag, wie ich ihn begonnen habe, mit viel Genuss und viel Meer.


















Hallo Süße, Dein Vater meint, Du solltest Reisejournalistin werden. Dem kann ich nur zustimmen. Freuen uns jetzt aber erst einmal auf das Wiedersehen mit Dir. Bis nachher!