Wir sind da! In Porto, der Stadt, die dem Portwein seinen Namen gab. Dabei kommt der Portwein gar nicht von hier, sondern aus dem nördlich gelegenen Douro Tal. Egal, das soll uns bei der geplanten Verkostungstour nicht stören.
Der Flug im gelb-blauen Plastikflugzeug von Ryanair war bis auf die verloren gegangene Lesebrille unseres Sitznachbarn ereignislos und dunkel.
Auf geht’s also zu Bruno unserem Airbnb Gastgeber, der uns an der Tramstation Jardim do Morro abholt, von der Terasse aus Porto zeigt und auch sonst tolle Tipps für die kommenden Tage hat. Wir hören schlaftrunken zu und fallen dann irgendwann auch platt in unsere erste Nacht in Villa Nova de Gaia. Dort wird der Portwein immerhin gelagert.
Unser Frühstück von Bruno aus dem Picknickkorb mit toller Aussicht auf Porto ist klasse, der Blick aus dem Fenster toppt allerdings selbst den guten Käse und die Natas, die hier Nationalsüßigkeit zu sein scheinen.
Gestärkt geht’s erstmal allein auf einen Spaziergang durch Villa Nova de Gaia. Wir legen die Grundlage für unsere Fitnesswoche wie sich später noch heraus stellt. Am Pier entlang der Weinkeller, dann hoch den Hügel an noch mehr Weinkellern vorbei zurück zur Ponte Luiz, über die wir in schwindelerregender Höhe ins eigentliche Porto gelangen. Wir essen Francesinha im Café Santiago. Das Riesensandwich mit 3 Scheiben Toast und gefühlten 5 Lagen Schinken, Chorizo und Speck wird mit Pommes geliefert, mit 4 Scheiben Käse überbacken und mit einem Spiegelei getoppt. Wir schwächeln schon am ersten Tag und teilen uns das Ungetüm. Der Clou ist aber, dass wir später mehr über den Ursprung erfahren. Ein französischer (!) Koch hatte seine Finger im Spiel und verantwortet auch die scharfe Sauce, in der dieser Berg aus Köstlichkeiten getränkt ist.
Beste Voraussetzungen also für unseren geführten Stadtspaziergang der Porto Walkers. Nu(n)o (die Autoren können sich einstimmig nicht für eine korrekte Schreibweise entscheiden) arbeitet hier trotz Lehrerstudiums auf Trinkgeldbasis und nimmt uns zunächst mit zum weltschönsten McDonald’s im ehemaligen Café Imperial. Zumindest soll es eine Nominierung gegeben haben. Für verliebte Low Budget Paare wohl der letzte Schrei meiden wir auch den Rest des Urlaubs jegliche Fast-Food-Kette.
Vor dem Buchladen, in dem J.K. Rowling während ihrer Zeit in Porto wohl die ersten Geschichten um Harry Potter ersinnt, schlängeln sich die zahlenden (!) Gäste. Immerhin 3 Euro muss man berappen, um Einlass gewährt zu bekommen. Weiter zum Lions Square bekommen wir erklärt was es mit der typischen Studentenbekleidung in Porto auf sich hat. Schon gestern in der Bahn war uns eine kleine Hermine begegnet, die scheinbar den falschen Bahnsteig genommen hatte und sich dennoch zwischen all den Smombies zurecht fand.
Eines steht zu diesem fruehen Zeitpunkt bereits fest. Portugiesen mögen es dramatisch. So wird auch die Geschichte über das schmalste Haus der Stadt dick aufgetragen. Zwischen zwei Gotteshäusern erbaut, wird die geistliche Konkurrenz zu einem Duell von höchster Stelle verordnet, um dem Gesetz der Kirche nicht zu widersprechen, was es verbietet zwei Kirchen Wand an Wand zu erbauen. Auf die berühmten Fliesen müssen beide Kirchenfassaden verzichten. Wir lernen das fieser Fliesenklau noch vor Bankraub als größtes Verbrechen gilt. Also nicht erwischen lassen.Die falsche Justitia passt da gut ins Bild. Das Schwert lässig vor dem Körper, die Waage eingeklappt und ohne Augenbinde alles überblickend, sagt sie viel aus über die fehlende Gewaltenteilung in Portugal, was bis 1974 diktatorisch geführt wurde. Das gegenüberliegende ehemalige Gefängnis mit „Porno-Statue“ ist heute Museum. Auch hier wieder viel Drama, schliesslich wurden eine Ehebrecherin und ihr Geliebter in den Zellenbloecken übereinander einquartiert. Aber auch der schöne Aussichtspunkt über die mittlerweile in Abendlicht getauchte Stadt strotzt vor Drama. Oder war das Romantik? Wir sehen noch von weitem den „Kristallpalast“ – der Diktator war der Meinung einen botanischen Garten könne man schonmal in eine Halle für Rollerhockey umbauen, um in Portugal die WM in dieser bekannten Sportart austragen zu können. An Graffitis vorbei geht’s vom „Balkon“ Portos hinunter ans Wasser. Der Prinz muss einen Zwischensprint einlegen und beschleunigt mit 20 m Anlauf auf sagenhafte 24 km/h, ungedopt, aber digital gestoppt. Am Endpunkt unserer Tour treffen wir noch den wohl wichtigsten Mann portugiesischer Geschichte. Wenigstens diesen Namen wollen wir uns merken. Infante (Prinz) Henrique der Navigator läutet nämlich das Zeitalter der Entdeckungen in Portugal ein, indem er eine Navigationsschule eröffnet und Experten verschiedener Fachrichtungen „an einen Tisch“ bringt. Ohne ihn kein Magellan, da Gama oder Albuquerque. Selbst Columbus (wir werden später noch erfahren, dass Portugal nicht nur die halbe, sondern die ganze Welt entdeckt hat) wäre ohne die Erkenntnisse, die aus Henriques Schule entstanden sind, wohl nicht nach Amerika gekommen.
Nach so viel Tradition und Geschichte schaffen wir es nur noch in den Supermarkt und zum Abendessen gibt’s Wurst, Käse, Sardinen und Muscheln aus der Dose. Naja….es wird noch besser, versprochen. Und so gehen wir nochmal raus und trinken den ersten Portwein mit Schokoladenkuchen im VT und entdecken den Porto Tonico für uns.





