In Klitmøller packen wir wieder unsere Sachen in den Bulli, fahren zum Strand und beobachten ein letztes Mal die Wind- und Kitesurfer. Die Wellenreiter trauen sich heute nicht aufs Wasser. Das ist viel zu unruhig und zu schaumig. Auch wir finden es heute sehr ungemütlich und verziehen uns bald in das süße und liebevoll geführte Gaarden Klitmøller. Hier gibt es guten Kaffee, Negerküsse in tausend Geschmacksrichtungen und der Clou mit Marzipanboden. Ich gratuliere dem Erfinder dieser genialen Idee. Es wurde auch Zeit, dass die olle durchgeweichte Waffel mal ausgetauscht wird. Neben den Negerküssen gibt es hier aber vor allem beste Unterhaltung mit dem lustigen und wahnsinnig netten schwedischen Besitzer. Wenn wir surfen können, kommen wir auf jeden Fall wieder nach Klitmøller und in dieses tolle Café.
Aber jetzt geht es erstmal nach Hanstholm. Hier gucken wir uns nur kurz den Hafen von oben an, mehr interessiert uns heute an dieser Stadt nicht. Wir müssen weiter nach Norden.
Zur Abwechslung gibt es als nächstes einen kurzen Kunststopp im Haus der berühmten dänischen Malerin Kirsten Kærs. Das Haus ist toll gebaut und voller Licht. Es liegt wunderschön in einer Art Parklandschaft. Die Wände hängen voll mit ihren Bildern, meist Porträts. Aber auch andere dänische Künstler werden hier ausgestellt und es gibt an jeder Ecke exotische Souvenirs von ihren vielen Reisen zu bewundern. Haus und Anwesen haben eine ganz eigene Atmosphäre. Uns gefällt es hier richtig gut.
Nach einem Smørebrød im Bus geht es wieder zum Meer. Wir halten kurz am Bulbjerg, einer Düne an der Steilküste. Der friedliche Blick über den schönen Strand steht im krassen Gegensatz zu der dicken Bunkeranlage aus dem zweiten Weltkrieg. Der Nordatlantikwall hat hier überall seine Spuren hinterlassen.
Wir fahren zur nächsten Düne. Jetzt wird es spektakulär. Die Wanderdüne Rubjerg Knude ist 90 Meter hoch und hat schon diverse Häuser unter sich begraben. Nur die Leuchtturmspitze guckt nach einer groß angelegten Buddelaktion wieder heraus. Der Weg zur Düne ist weit und sandig. Schon bevor wir die Düne erreichen haben wir Sandkörner zwischen den Zähnen, in den Ohren und in den Hosentaschen. Aber das kleine Wüstenabenteuer ist ein Peeling wert.
Nachdem wir genug Sand geschluckt haben, brauchen wir etwas Richtiges zu essen. Wir fahren nach Lystrup und suchen uns auf dem Weg dahin schon mal das beste Restaurant des Ortes heraus. Heute wollen wir mal richtig Geld ausgeben. An die hohen Preise fürs Essengehen haben wir uns ja langsam gewöhnt, denken wir ganz naiv. Als wir dann vor dem Restaurant stehen und die Karte studieren, rutscht uns fast der Boden unter den Füßen weg. Ist hier etwa auch eine Wanderdüne. Etwa 80 Euro kosten drei Gänge. Einzelne Gerichte gibt es, wie typisch für gute dänische Restaurants, nicht. Die Villa Vest ist ein Sternerestaurant, recherchieren wir später. Na gut, hätten wir das gewusst, wären wir nicht so schockiert gewesen. Derweil gestaltet sich unsere Suche nach einer Alternative schwierig. Das nächste Restaurant, dass wir uns heraussuchen hat geschlossen – Nebensaison. Die anderen drei oder vier haben zweifelhafte Karten oder für Dänemark einfach zu günstige Preise. Am Ende entscheiden wir uns schweren Herzens für das Café Slugten, das unter anderem Burger, Chilli con Carne und thailändisches Curry anbietet. Das kann ja nix werden, denken wir ganz naiv. Wir liegen falsch. Mein Fang des Tages, ein saftiger Lachs mit Koriander und Limette ist richtig gut und der Burger vom Prinzen ebenfalls. Das gehört eben auch zur dänischen Küche – sechs bis acht Hauptgerichte auf der Karte und dabei jedes aus einem anderen Land. Das alleine ist hier kein ausreichendes Kriterium, um Stümper zu entlarven. Wir rollen jedenfalls zufrieden und voll zurück zu unserem Bulli. Gute Nacht Lystrup.