Rauf, runter, rauf, runter … bis die Waden glühen oder ein Grill am Abend.

Da uns die Free Walking Tour gestern so ausgesprochen gut gefallen hat, gehen wir wieder mit unseren portugiesischen „Freunden“ auf Stadttour. Serviert werden weniger Kuriositäten und Parallelen zu Harry Potter, dafür mehr portugiesische Geschichte und wir finden von einem noch besseren Guide.

An unserer Lieblingsbrücke Ponte Luis I. erfahren wir, dass der Eiffelturm in Paris eine Revanche für dieses ehemals größte Stahlbauwerk der Welt war. Ein Assistent Gustav Eiffels hatte eben diesen bei der Projektausschreibung unterboten, um sich dafür zu „bedanken“, dass Eiffel anscheinend bei einem vorherigen Brückenprojekt in Porto den ganzen Ruhm für sich beanspruchte. Dabei hatte lediglich das Büro Eiffels den Auftrag erteilt bekommen. Der Maestro selbst hatte aber wohl nicht mal den Stift dafür in die Hand genommen. Man stelle sich also vor, es hätte diesen „Eklat von Porto“ nicht gegeben.

   

Heute dann die Empfehlung der Porto Walkers für ein Francesinha im Café Santiago. Tja…manches hatten wir voraus. Aber wir erfahren, dass die scharfe Sauce dazu fuehren sollte, dass die konservativen Mädchen Portos etwas von ihren Kleidern fallen lassen. Wir stimmen allerdings überein, dass diese Absicht bei täglichem Verzehr irgendwann auch ins Gegenteil umschlagen könnte.Bei all den vielen Kirchen, Kloestern und Konventen im „portugiesischen Vatikan“ lernen wir auch über Nonnen, die oftmals ins Kloster gingen, um einer Zwangsverheiratung zu entgehen. Wenn sie nicht gar den Freitod wählten. Der Gang ins Konvent war oft für die sprichwörtliche Ewigkeit. Deutlich heitere Anekdoten hören wir über den und im Bahnhof Sao Bento, mit all seinen aufwendig gebrannten und bemalten Kacheln, die von portugiesischer Geschichte berichten. Der beauftragte Architekturstudent hatte nicht nur deutlich in der Bauzeit überzogen, sondern auch noch Toiletten und Ticketschalter vergessen zu planen. Aber mit der Perfektion nimmt man es in Portugal ohnehin nicht so genau. Eine der Kacheln wurde bewusst falsch gezeichnet und eingesetzt, da man Gott nicht erzürnen wollte. Einzig ihm sei es gestattet Perfektion in diese Welt zu bringen.

Nicht weit vom Bahnhof kann man noch Teile der alten Stadtmauer begehen, von der man in Richtung des Dourotals schauen kann. Jetzt endlich erfahren wir, woher der Portwein wirklich kommt bevor er in den Kellern von Villa Nova di Gaia zu einem feinen Gebräu reift. Und als hätten wir schon geahnt, dass die Weintour am Abend wegen zu weniger Interessenten ausfallen muss, bekommen wir auf der Stadtmauer einen kleinen Exkurs in Sachen Portweinkunst – Ruby und Tawny, Branco und auch Green Wine sind ab sofort keine Fremdwörter mehr. Und ja, es ist ein schnöder Stempel, den die Fässer auf der anderen Seite des Douro bekommen, der dem Portwein seinen Namen gibt. Von Porto aus werden die Fässer dann über den Atlantik verschifft.

  
Auf dem Weg hinunter zur Waterkant, die dem Portwein seinen Namen gibt, dürfen wir himmlische Creme und Schokokuchen geniessen. In einer unscheinbaren Gasse zaubert ein Ehepaar süße Leckereien für die Gastronomie. Dank der Porto Walkers haben wir nun aber ein Dauerabo und dürfen auch am Fabrikverkauf teilnehmen. Wer nett fragt, bekommt aber gern die Adresse und das Zauberwort für den Privatverkauf…pssst, nicht weitersagen.

  
An der Ribeira wieder etwas Drama. Das große Unglück von Porto bei dem es zu 4000 Toten beim Zerbrechen einer Behelfsbrücke kommt, lockt heute noch viele trauende, gläubige Portugiesen an. Das Kunstwerk was heute an den tragischen Tag erinnern soll, fällt in die Kategorie: ist das Kunst oder kann das Weg. Wenn man nicht genau hinsieht, findet man das Stück verrosteten Stahl im Wert von 250.000 Euro erst gar nicht. Tatsächlich dramatisch nehmen wir das Ende der tollen Tour wahr. Hier enden die Geschichten über Porto vorerst und leider möchte auch niemand weiter am Nachmittag an der Weintour teilnehmen.

Da die Portweintour ausfällt gehen wir neugierig ins Touristen (-) Café Majestic, trinken Espresso für drei (!!!) Euro und schleichen dann heimlich weiter in die „Harry Potter“ Buchhandlung. Ein bisschen können wir verstehen was J. K. Rowling hier inspiriert hat, finden aber leider kein Buch, was uns auf dieser Reise noch fesseln soll. Liegt mit geringem Anteil auch an unseren Sprachkenntnissen.

  
Abends geben wir uns nicht wieder mit Stulle und Dose zufrieden. Wir haben von unserem Guide eine Empfehlung fürs Fisch essen bekommen. Also ab in den Bus Richtung Matosinha. Hier kann man nach nur 30 min. Fahrt schon richtig den Atlantik riechen. Es wird in grossen Lagerhallen Fisch verarbeitet und in den anliegenden  Restaurants kann man sich diesen auf den Grill legen lassen und mit einem guten Tropfen Wein aus dem Dourotal geniessen. Wir haben keinen blassen Schimmer was wir essen sollen. Die Karte ist lang, portugiesisch und andere Touristen im Restaurant „O Lusitano“ können wir auch nicht fragen. Unsere Nachbarn sind Portugiesen und ernähren sich heute ausschliesslich von Tintenfischen. Irgendwie können wir der Chefin des Hauses aber klar machen, dass wir möglichst viel probieren wollen. Am Ende landet Rochen, Ozeanlachs, Tintenfisch und Kraken auf dem Grill vor der Haustür. Bei den Kartoffeln und dem bestellten Salat brauchen wir glücklicherweise keine Essanleitung. Die Einführung in die Esskultur von Tintenfisch und Kraken nimmt die Chefin dann aber persönlich in die Hand. Augen abschneiden, Tinte raus, Drüsen weg und dann kanns losgehen. Beim Rochen sollen wir uns keine Sorgen machen, die Gräten wären ja eher Knorpel. Wir verzichten aber auf dieses Experiment. In dem Familienbetrieb tauchen dann noch Tochter, Enkel und die Papis auf. Wir fühlen uns pudelwohl und gut aufgehoben. Der Schnaps aus einer Art Samowar für Kaltes geht leicht runter. So sind wir gewappnet für den Rückweg ins Hotel. Was für ein Tag. Porto O Porto, wir lieben dich.

   

   

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert