Siena – Shoppingfieber bei den Franzosen von Italien

Wir fahren nach Siena. Zur Abwechslung halten wir mal wieder bei einem echten Campingplatz – es wird Zeit für Strom und Wasser, schließlich wollen wir noch Teil der Zivilisation sein.

Von hier aus fährt ein Bus direkt ins Zentrum, zur Piazza Antoni Gramsci. Hier werfen wir einen Blick auf das Stadion, den riesigen Flohmarkt und schauen von der Fortezza schon mal rüber zu den berühmten Wahrzeichen der Stadt – dem Dom mit dem schwarz-weiß-gestreiften Glockenturm und dem Torre del Mangia.

Über Nebenstraßen begeben wir uns Richtung Zentrum. Richtig schön ist es hier.  Es geht mal wieder bergauf und bergab und die Restaurants haben Tisch- und Stuhlbeine der Steigung angepasst, damit das Vino-Glas nicht rutscht. Irgendwann kommen wir beim Il Campo an – dem verrückten Riesenplatz in Fächerform, auf dem das berühmte Pferderennen Palio stattfindet. Der Platz ist belebt und einzigartig. Wir schnappen uns ein Eis von der Eisdiele mit der längsten Schlange (das haben wir in San Gimignano gelernt) und setzen uns, um dem Treiben eine Weile zuzusehen.

Nachdem die Krafttanks aufgeladen sind, geht es hinauf auf den Torre del Mangia. Hier gibt es zum Glück keine langen Schlangen wie beim Duomo in Firenze, dafür gibt es aber auf den über 500 Stufen auch keine Verschnaufpausen. Aber die lohnen sich. Der Blick ist bombastisch und noch dazu haben wir bestes Fotowetter mit ein paar ordentlichen Dramawolken in der Ferne.

Wieder auf dem Boden der Tatsachen zurück,laufen wir zur berühmten Bäckerei Nannini (ja, ja, das ist der Papa von Gianna) und trinken einen fantastischen Kaffee und genießen großartige Ricciarelli. Da die Dramawolken inzwischen im Zentrum angekommen sind, machen wir, was alle guten Touris bei Regen machen – Shoppen. Wir kaufen immerhin drei Paar neue Schuhe, davon zwei für mich. Gleichstand. Mit prallen Tüten und schmalen Portemonnaies laufen wir dann zum Duomo, der im Gewitter-Zwielicht so schön golden glänzt.

Jetzt haben wir nur noch eine Station in Siena auf dem Programm und die heißt: mangare. Wir finden ein Restaurant, das anständig aussieht und anständige Preise hat und schon um 18:30 Uhr aufmacht – eine Seltenheit. Wir stehen also 18:31 Uhr vor der Tür der Trattoria la Tellina. Aufgeregt kommt uns die Kellnerin entgegen, es gäbe ein Problem in der Küche, wir sollen um 19 Uhr wiederkommen. Das war also nix mit zeitig Essen gehen. Wir laufen also noch mal zum Il Campo und zurück, dann dürfen wir endlich rein. Hier ist es nicht so exquisit wie in Bolgheri aber wirklich lecker. Es gibt Wildschwein, eine Spezialität der Gegend, Risotto mit Chianti und Käsesauce und ein sehr gutes Panna Cotta d’al Amaretto (mit den Keksen, nicht dem Likör). Außergewöhnlich ist aber vor allem die Kellnerin, die ist nämlich wahnsinnig nett – und das ist uns den ganzen Tag in Siena nicht passiert. Wie wir später lernen, werden die Sienesen oft als die Franzosen von Italien bezeichnet, weil sie im Allgemeinen eher knurrig sind. Das haben wir bemerkt.

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