Feuchtes Rot
Wir haben uns selbst einen Chilli-Willie-Ausruhtag verordnet. Natur atmen und Baden stehen auf dem Programm. Wir fahren zum Store Øksø, einem lauschig gelegenen Waldsee. Wir sind fast die einzigen dort. Außer uns gibt es hier nur eine Sonnenbaderin, eine schwimmende Oma im Neoprenanzug und mehrere Läufer und Geher. Für Freizeitsportler ist der See mit Bojen abgesteckt. Zwischen 500 und 1800 Meter lange Strecken kann man sich selber zusammenstellen. Eine super Idee finden wir und entscheiden uns für die 500 Meter Strecke, schließlich ist Chilli-Willie-Ausruhtag.
Wir springen in die Badesachen. Auf geht’s. Uns fällt auf, der See ist ganz schön dunkel. Liegt bestimmt am guten Waldboden, denken wir. Wir gehen langsam hinein, schon nach wenigen Schritten sehen wir unsere Füße nicht mehr und die Waden leuchten rot-braun. Bestimmt der gute Waldboden, denken wir. Wir fassen ins Wasser. Von wegen der gute Waldboden, das Wasser ist ROT, mit einem Stich ins bräunliche. Aber die 500 Meter sind gesetzt und die schwimmende Oma im Neoprenanzug sah ganz munter aus. Wir ziehen also durch. Sichtbare Schäden bleiben aus. Wir lassen uns in der Sonne trocknen und bleiben noch ein bisschen am roten See liegen.
Schönes Rot
Unsere nächste Station ist der verträumte Ort Mariager. Wir wollen hier in ein Salzmuseum gehen. Neben Lehrreichem zu Salz, gibt es in diesem Museum ein Solebecken. Lustig, finden wir. Mit Badehose und Bikini in ein Museum gehen, das ist doch mal etwas Besonderes. Leider hat das Museum schon um vier zu und wir sind damit zu spät, um alles noch ansehen zu können. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als ein wenig durch den Ort zu trotten. Der ist allerdings wirklich hübsch, ungewöhnlich hügelig, mit vielen Fachwerkhäusern, Kopfsteinpflaster und tollen Ausblicken auf den wunderschönen Fjord und den Hafen. Außerdem sehen wir überall Rosen, vor allem rote. Kein Wunder, wird der Ort doch auch Stadt der Rosen genannt.
Leuchtendes Rot
Unsere letzte Station des Tages, liegt nur fünf Kilometer von Mariager entfernt. Direkt am Fjord stellen wir den Bulli zum Schlafen ab. Es gibt wieder selbstgeschmiertes Smørebrød zum Abendessen. Das Wasser im Fjord ist ganz klar und voller lebender Muscheln. So viele Muscheln habe ich noch nicht mal auf den Theken im KaDeWe auf einem Fleck gesehen. Ganz schön toll hier, fehlt nur noch: ein wolkenloser Sonnenuntergang in tausend leuchtenden Rottönen.
Blutiges Rot
Die Naturidylle fordert ihren Preis, eine Sekunde nachdem die Sonne vom Fjord verschluckt wird, werden wir von Heerscharen von kleinen Fliegen und Mücken angegriffen. Wir versuchen den Bulli mit möglichst wenig Ritzen und Öffnungen einzuräumen und schlaffertig zu machen. Als wir endlich im hermetisch abgeriegelten Bulli auf dem gemachten Bett sitzen, erschlägt der Prinz fünf Minuten lang Fliegen im Akkord. Als wir gerade denken, dass wir nun alle erwischt haben, fliegt eine Mücke feixend an uns vorbei. Das Biest. Die Jagd beginnt. Nach einer Viertelstunde Starren und an Vorhänge und Wände klopfen, geben wir auf. Wir schlafen erschöpft unter einer blutroten mit Leichen verzierten Decke über unseren Köpfen ein. Die Mücke rührt sich die ganz Nacht lang nicht. Am nächsten Morgen, als wir die Billiger öffnen, schwebt sie lächelnd hinaus. Wir wissen nicht, was den unverhofften Waffenstillstand verursacht haben. Wir vermuten, es war das Leichenfeld an der Bullidecke und die gnadenlose Brutalität vom Prinzen. Vielleicht brauchte die Mücke aber auch nur einen Unterschlupf vor seiner gehörnten Ehefrau. Wer weiß das schon.



