Kunst und Kreuzberg

Der Tag heute gehört Aarhus, der zweitgrößten Stadt Dänemarks. Damit müde Füße, knurrende Mägen oder kurze dänische Öffnungszeiten uns nicht wieder von Kunst und Kultur abhalten, gehen wir direkt bei Ankunft ins ARoS, das Museum für moderne Kunst. Das ARoS is ein riesiger Bau mit einem regenbogenfarbenem rundem Aufbau auf dem Dach, der von weitem sichtbar ist. Ganz schön cool. Das sogenannte Rainbow Panorama ist übrigens von Olafur Eliasson, lernen wir später.

Wir starten im Keller, hier gibt es neun raumgroße Installationen. Wir können nicht mit allen etwas anfangen. Ist eben moderne Kunst. Toll finden wir die Spiegelinstallation von Olafur Eliasson, die den Raum in alle Richtungen ins Unendliche verlängert. Olafur ist eben einfach spitze. Toll ist auch, der Tag in Nachbars Wohnzimmer, der in der Installation von der Schweizerin Pippilotti Rist, in nur 8 Minuten vor allem mit Licht und Ton dargestellt wird. Faszinierend und fast meditativ ist das dreidimensionale rote Farbfeld von James Turrel.

Als nächstes schauen wir uns die Ausstellung von dem Fotografen Robert Mapplethorpe an. Der Kompromisslose, der immer auf der Suche nach der perfekten Form war, hat wunderschöne schwarz-weiß Bilder von Körpern, Gesichtern und Blumen gemacht. Mit seinen teils sehr expliziten Bildern war er ein großer Provokateur seiner Zeit und stellte die gesellschaftliche Grenze zwischen Männlichem und Weiblichem in Frage. Ganz typisch dänisch gibt es am Ende der Ausstellung etwas zum Mitmachen: Lederjacke, Federboa und Peitsche sollen die Museumsbesucher dazu animieren auch mal Rollengrenzen zu überschreiten. Der Prinz macht mit und hat Spaß – ich daher auch. Eine sehr interessante Ausstellung.

Die nächste Ausstellung mit Bildern und Installationen gefällt uns nicht so sehr, zumindest können wir mit dem zerkratzten Lamborghini und den zerfetzten Schaufensterpuppe nicht viel anfangen. Wir gehen daher schnell weiter zum Rainbow Panorama auf das Dach. Der kreisrunden Gang, bei dem man das ganze Farbspektrum mit Blick auf die Stadt ablaufen kann, ist faszinierend und toll.

Nach einem Smørebrød-Stopp im benachbarten Musikhuset, starten wir unseren Bummel durch die Stadt. Am häßlichen Rathaus von Arne Jacobsen vorbei. Wäre er mal lieber bei den Stühlen geblieben. Die meiste Zeit verbringen wir im schönen Latinerkvartet. Das älteste Stadtviertel von Aarhus erinnert uns an ein gemütliches Kreuzberg ohne Autos aber dafür mit einer Unmenge an nicht weniger gefährlichen Fahrrädern. Konsequenterweise gehen wir in einen Yogaladen, essen veganen Chiakuchen und trinken Profikaffee. Anstelle von einem Designladen besuchen wir dieses Mal, inspiriert vom summendem Straßenbild, einen schicken Fahrradladen.

Aber genug vom Stadtleben, wir müssen heute noch zum Legoland, damit wir morgen beim Öffnen der Pforten pünktlich eintreten können. Wir übernachten auf dem Campingplatz in Farup. Der Platz ist süß, besonders die kleine Katze, die uns begrüßt. Wir sind fast die einzigen auf dem Platz, denn am Sonntag ist Saisonende. Wir nutzen die freie Fläche für ein knallharten Fußballmatch.


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