Drachen, Heilige und Thüringer Rostbratwurst

Wir starten den Tag mit einem Frühstück in unserer Räuberhöhle. Die Campingplatzkatze stattet uns einen kurzen Besuch ab, verlässt aber beleidigt unseren Plastikfussboden, als der Prinz ihr zischend klar macht, dass sie nichts von unserem Frühstück abbekommt.

Mit geschmierten Rastbrötchen im Rucksack fahren wir zur Hohen Sonne. Hier geht unsere Wanderung los. Auf in die Drachenschlucht. Wunderschön, romantisch und geheimnisvoll zeigt sich der Thüringer Wald. Umgefallene Bäume werden hier im Totalreservat einfach liegen gelassen. Links und rechts von uns erheben sich immer wieder bemooste Steinwände. Der engste Durchgang ist nur 68 cm breit. Drachen sehen wir leider nicht, aber ganz viele flinke Waldmäuschen und einen schönen Buntspecht.

Dann kommen wir zur Sängerwiese, die ihren Namen den bekannten Sängerwettkämpfen, die im Mittelalter auf der Wartburg veranstaltet wurden, zu verdanken hat. Deren bekanntester Teilnehmer war Walter von der Vogelweide. Wäre der holde Ritter heute mit uns zusammen gewandert, dann hätte er beim Betreten der Lichtung unverzüglich sein tödliches Schwert gezogen aus reinem Selbstschutz und Angst vor blutenden Ohren. Die juchzend, trällernde Schunkel- und Stampfmusik ist eben nix für Liebhaber hoher Künste. Wir haben jedenfalls ein Stück entfernt unsere Mittagspause genossen und dabei an Walter gedacht.

Von der Sängerwiese ist es nicht mehr weit bis zur Burg, dafür ganz schön steil. Zeit für den ersten Heldenriegel. Wir schlendern erst einmal um die Burg herum. Wirklich märchenhaft schön ist sie mit ihrem Rundumblick über den Thüringer Wald, ihren unterschiedlichen Gebäuden aus unterschiedlichen Epochen, sogar ein römisches Bad ist dabei. Nun kommt der Bildungsteil, wir schließen uns einer Führung an. Was für eine gute Entscheidung. Wir bekommen eine großartige Geschichtsshow geliefert von einem schlauen und witzigen Showmoderator. Er berichtet vom Sängerwettkampf, der im Gegensatz zu heutigen Casingshows mit dem Tod der unterlegenen Kandidaten endet und nicht nur mit Häme in der Bild-Zeitung. Wir hören von der mutigen Elisabeth, die in ihrem kurzen Leben so viel Gutes für andere getan und dafür ihrem höfischem Leben abgeschworen hat. Heute ist sie Namensgeber von vielen Krankenhäusern auf der ganzen Welt und gilt als eine Heilige bei Katholiken wie Protestanten. Der bekannteste Bewohner der Burg aber war dennoch ein anderer. Martin Luther hat hier in nur 11 Wochen seine weltbekannte Bibelübersetzung geschrieben inkognito als Junker Jörg, da ihn der Kaiser Karl V. zuvor für vogelfrei erklärt hatte.

So viel Bildung schreit nach einem Ausgleich. Wir genehmigen uns Kaffee, Kuchen und Kakao auf der Burg, bevor es wieder hinunter geht nach Eisenach, vorbei an den niedlichen Eseln von der Eselstation und an einem Bratwurststand. Letzteres ist sehr schmerzlich für mich. Trotz vieler stichhaltiger Argumente, wie „authentisch“ und „riecht so lecker“, der Prinz lässt sich nicht erweichen. Dafür kriegt er wildeste Beschimpfungen ab. Die an seiner harten Prinzenrüstung natürlich einfach abprallen. Und ja, wir haben gerade erst Kuchen gegessen, aber was ist das denn Bitte für ein Argument? Erst Recht für eine schwangere Frau!

Wir trotten bis zur nächsten Busstation und lassen uns von einem Ralleyfahrer in Busfahrerverkleidung wieder zur Hohen Sonne bringen, wo unser kleiner grauer Bus geduldig auf uns wartet. Na sowas, hier riecht es ja so gut. Auch hier gibt es Thüringer Bratwurst. Ok, es war also nicht der einzige Stand im Thüringer Wald, an dem mich der Prinz so kaltherzig vorbei gezogen hat, aber es kam mir nun mal so vor. Das Prinzenherz ist während der turbulenten Busfahrt jedenfalls weich geklopft worden und wir teilen eine duftende und authentische Bratwurst. Endlich.

Zurück am Campingplatz verkriechen wir uns in unsere Räuberhöhle. Inzwischen hat es nämlich angefangen zu regnen. Egal wir verlassen die Höhle sowieso nicht mehr, jetzt kommt nur noch Ausruhen, Abendessen und eine Partie Kreuzwortwürfeln. Der arme Prinz hat kein Spielglück. Damit steht es 1:0 in diesem Urlaub für die Prinzessin. Jetzt fix ins Bett, bevor sich das Blatt wendet.

3 thoughts on “Drachen, Heilige und Thüringer Rostbratwurst

  • Das war offensichtlich ein schöner Tag und eine noch schönere Schilderung darüber. Ich drücke Euch beiden die Daumen für die nächsten Spielchen. Ein ausgewogener Spielstand ist sicher am besten für die Grundstimmung.

    • Ich musste erstmal „brill“ nachschauen. Jetzt habe ich es verstanden und dabei gelernt, dass es auch Glattbutt heißt 😉 Vielen Dank! Ganz liebe Grüße zurück!

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