Es regnet und zwar ordentlich. Wir müssen schleunigst weg. Laut Wetterradar ist die einzig sonnige Gegend in Deutschland aktuell der Schwarzwald. Alles klar, das Tagesziel ist also gesetzt und der Schwarzwald steht sowieso auf unserem Blinde-Flecken-Programm. Um Punkt 11 Uhr verlassen wir den triefenden Thüringer Wald in Richtung Südwesten.
Das Wetterradar erweist sich als zuverlässig. Wir treffen die Sonne irgendwo auf der Autobahn. In Pforzheim fahren wir ab. Es ist um drei Uhr. Laut Navi ist es jetzt noch eine Stunde bis zu unserem Übernachtungsplatz auf einem Bauernhof. Wir wollen das erste mal das sogenannte Landvergnügen ausprobieren – ein Zusammenschluss von verschiedensten Bauernhöfen in ganz Deutschland, auf denen man kostenlos für eine Nacht mit Camper oder Wohnmobil übernachten kann. Was das Navi nicht weiß, vor Saisonstart wird hier im Schwarzwald ordentlich investiert, vor allem in Baustellen.
Wir fahren von einer Umleitung zur nächsten. Es geht Richtung Westen. Der Abstand zwischen uns und dem Ziel wächst. Kurz vor der französischen Grenze, beschließen wir, keinem einzigen Umleitungsschild mehr Folge zu leisten. Wo wir überall lang gefahren sind? Wir wissen es nicht. Mindestens ein Mal ist Gernsbach dabei, das ist nicht weit von Baden-Baden. Wir vermuten eine Verschwörung. Da steckt doch die Ölindustrie dahinter!
Egal, mit neuem Mut und gestärkter Brust nehmen wir unser Schicksal selbst in die Hand. Nur doof, dass wir nicht einer Meinung sind, was die nächste Abzweigung betrifft. So ein Umleitungsschild, schweißt als gemeinsamer Feind eben zusammen. Verkehrspaartherapie – gibt es bestimmt, vielleicht sind wir gerade auf der Teststrecke. Letztendlich überlasse ich dem Prinzen die Entscheidung. Soll er lieber sauer auf sich, als auf mich sein. Anfangs läuft alles super mit unserer neuen Selbstbestimmung. Irgendwann jedoch stoßen wir auf beunruhigende Straßenschilder: „Zufahrt Pupsdorf XY gesperrt“ und „UMLEITUNG“. Aber wir lassen uns nicht verunsichern, nicht noch ein Mal! Wir halten tapfer an unserer ausgewählten Strecke fest.
Eine halbe Stunde später stehen wir vor einer Straßensperre. Am idyllischsten Fleckchen des ganzen Schwarzwalds, bei schönstem Sonnenwetter, irgengwo kurz vor Kaltenbronn (a.k.a. Pupsdorf XY) lassen wir unseren Emotionen freien Lauf und überziehen das Tal mit lauten Flüchen und Entlastungsschreien. Und ja, wir sind nicht stolz darauf, aber auch der Silberrücken muss ein oder zwei Tritte gegen seine Reifen und ein paar Schläge aufs Amarturenbrett verkraften.
Wir fahren wieder zurück, planlos, verunsichert und hungrig. Was bleibt uns auch anderes übrig. Unsere neue Taktik: wir kreisen das Ziel ein, nehmen es quasi in die Zange. Um sieben Uhr ergibt es sich endlich – wimmernd. Zumindest fühlt es sich so an. Wahrscheinlich aber sind wir es, die wimmern.
Unser neues Domizil ist der Milchviehhof der Familie Stockinger in Zwerenberg. Wunderschön ist es hier. Wir sind die einzigen auf der großen Wiese zwischen den verschiedenen Bauernhäusern. Die Sonne, eine Katze und fünf süße Kälbchen versuchen unsere angeschlagene Stimmung zu verbessern. Aber erst das aufgebaute Zelt und ein warmer Teller Nudeln bringen langsam Entspannung und gute Laune zurück. Nichtsdestotrotz die Kraft ist aufgebraucht. Wir gehen ins Bett, ohne Zähne putzen. Gute Nacht, verflixter Schwarzwald.
Gut, dass wir Euch meist bestens gelaunt antreffen. 😘
😊
Solange keine Umleitung in der Nähe ist … 😉