Sturm an der Westküste

Schweden 2018 · Teil 3

Auf dem Weg nordwärts zum nächsten Campingplatz, besuchen wir Malmö, die drittgrößte Stadt Schwedens. Wir parken im Parkhaus der Konzert- und Kongresshalle im modernen Büro- und Geschäftszentrum.

Von dort sind es nur ein paar Schritte zur Saluhalle, zu deutsch Markthalle. Hier wird gekocht und geschlemmt. Die richtige Grundlage für eine Stadtexkursion. Es gibt Fleisch, Fisch, Italienisch, Asiatisch, Kaffee, Schokolade und vieles mehr. Alles frisch und hochwertig. Hier würde ich mich, ohne Protest, eine Woche einsperren lassen.

Der Prinz und die kleine Prinzessin suchen einen Sitzplatz, während ich ein Steaksandwich als ersten Gang besorge. Es schmeckt wunderbar. Der Prinz kümmert sich um den zweiten Gang, Regenbogenfisch mit Kartoffelsalat. Wir warten geduldig an unserem Tisch auf die Aufforderung, den Fisch abzuholen. Es dauert. Wir haben gerade gegessen und schmecken das Steaksandwich noch auf der Zunge, deshalb haben wir es nicht so eilig. Wir warten. Das Steaksandwich ist inzwischen nur noch eine verblassende Ahnung. Im Bauch macht sich wieder Platz breit. Wir warten. Wir planen auch gleich noch Kaffee und Kuchen hier zu essen, weil es den nun wieder knurrenden Magen beruhigt über das bevorstehende Essen zu sprechen. Wir warten. Wir sind im Urlaub und müssen nicht, wie die anderen Gäste zurück ins Büro. Wir warten nicht mehr. Uns langt’s! Der Prinz geht fragen, wo unser Lachs bleibt. Die Antwort – es gibt ihn leider nicht mehr. Der Lachs ist aus und wir wurden einfach vergessen. Wir bleiben in Schockstarre an unserem Platz sitzen. Eine Minute später kommt die Kellnerin und gibt uns unser Geld zurück. Es tut ihr ja so leid. Ja, ja. Sie erzählt noch weiter, wir verstehen nicht. Wir nicken nur stumm mit den Köpfen. Für mehr fehlt die Kraft, schließlich haben wir Negativkalorien. Wir sitzen und überlegen, was wir nun machen sollen. Dann kommt sie mit einem duftenden Teller mit Lachs und Kartoffelsalat. Es schmeckt super. Wir sind trotzdem sauer. Aber zum Glück nicht mehr hungrig. Vierzig Minuten haben wir von unserer knappen Zeit in Malmö vertrödelt.

Wir fliehen aus der Halle. Kaffee gibt es bestimmt auch woanders. Wir schlendern zum Schloss. Auf dem Weg sehe ich den irren Turm von Calatrava, der sich von unten nach oben um 90 Grad dreht. Ich will gerade auf den Auslöser drücken. Da ruft der Prinz mir zu, ich solle doch warten, bis wir einen besseren Blick auf das Gebäude bekommen. Ok, er hat bestimmt Recht, denke ich. Ein besonders schönes Foto wäre es wohl nicht geworden. Wir erreichen das Schloss, gucken es kurz an und laufen dann weiter durch den wunderschönen Park. Dabei halten wir immer nach dem Calatrava Turm Ausschau – leider ist er nun nicht mehr zu sehen. Wir gehen ins Stadtzentrum. Es gibt wieder lustige Skulpturen und Springbrunnen und mir wird klar, wir haben zu wenig Zeit für Malmö. Wir laufen Richtung Hafen, immer noch auf der Suche nach dem Calatrava Turm – er bleibt verschwunden. Wer wissen will, wie er aussieht, muss Google befragen. Manchmal, also sehr selten, hat der Prinz eben doch nicht Recht.

Wir gehen zurück zum Auto und fahren nach Mellbystrand, unserem nächsten Campingplatz. Auch dieser liegt direkt am Meer. Bevor wir ihn erreichen machen wir noch einen Stopp im ICA und füllen unsere Vorräte auf. Direkt nebenan ist ein Lindex, hier gibt es Klamotten für die ganze Familie. Da wir für Jette noch eine dicke Mütze brauchen gehen wir hinein. Heraus kommen wir mit dem coolsten Krokodilmatschanzug, den es gibt und einem Blumenhaarband für das bevorstehende Midsommarfest. Am Campingplatz wird erst mal wieder aufgebaut. Dieses mal unter erschwerten Bedingungen – es stürmt und regnet. Die kleine Prinzessin und ich gucken dem Prinzen aus dem Autofenster zu, wie er mit dem Zelt kämpft. Am Ende gewinnt der Prinz knapp. Ich glaube er hat alle Herringe verwendet, die wir haben. Zum Abendbrot sitzen wir im Zelt. Der Kinderwagen dient an der Windseite als innere Stütze. Es ist irgendwie gemütlich, wildromantisch – da schmecken die Stullen gleich nochmal so gut.

Der nächste Morgen ist grau und windig. Perfektes Wetter für Jettes neuen Krokoanzug. Unsere Tagestour geht heute in die nächstgrößere Stadt Halmstad. Wir wollen ein bisschen Bummeln und natürlich Fika machen – die schwedische Kaffeetradition ist uns schon ans Herz gewachsen. In Halmstad finden wir ein ganz besonders hübsches Café. Das Haus ist bestimmt 100 Jahre alt mit Holzbalken, schiefen Böden und ganz viel Charme. Der Kaffee ist stark, die Smörrebröd dick belegt und die Zimtschnecken frisch und duftend. Wir laufen durch das Örtchen. Viel gibt es nicht zu sehen. Aber es gibt einen Outdoorladen Naturkompaniet, an dem der Prinz nicht vorbeikommt. Wir halten uns ewig mit den tausend Gadgets auf. Am Ende nehmen wir getrocknete Öko-Mahlzeiten des norwegischen Militärs mit, das müssen wir einfach mal ausprobieren. Zurück auf dem Zeltplatz stürmt es wieder ordentlich. Jette isst das erste Mal mit – Smörrebröd natürlich. Das ist bestimmt die raue schwedische Luft. Der Prinz kriegt in der Nacht kaum ein Auge zu, denn es stürmt und hagelt noch schlimmer, als in der Nacht davor. Am nächsten Morgen kommt die Sonne heraus, als wäre nix gewesen. Wir brechen auf nach Göteburg, der zweitgrößten Stadt in Schweden.

4 thoughts on “Sturm an der Westküste

  • Hallo Ihr Lieben, wir freuen uns, dass das Wetter nun wieder schön ist. Den Calatrava-Turm könnt Ihr Euch bei uns in einem Buch angucken und abfotografieren. Ich bin schon sehr gespannt auf Eure Fotos mit Jette im Schnappmaulmatschanzug. Schönes Wort fürs Galgenraten. Seid lieb gedrückt von den Zuhausegebliebenen 😘❤👩🎈

  • Ja, die da greift die alten Fotografenregel (spätestens im Digitalzeitalter): „Nimm das Foto, was du hast!“ Kenn ich irgendwie… 🙂 Weiter frohes reisen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert